Vom Industriellen zum Biobauern

Vom Industriellen zum Biobauern

Vom Fleischfabrikanten zum Biobauern, so hieß der Titel einer am 10.November ausgestrahlten Folge von “Planet Wissen”. Da wir uns auf Top10it nicht ausschließlich “für IT” interessieren, sondern eben auch für die wirklich wichtigen Dinge des Lebens, haben wir diesen Kurz-Artikel “Vom Industriellen zum Biobauern” Online gestellt.

Herr Karl Ludwig Schweisfurth (geb. 30.6.1934 in Herten, Westfalen) war bis in die 80er Jahre hinein Chef der Firma “Herta”, einer der größten Fleischverarbeitungs-Betriebe Europas (1,5Mrd DM Jahresumsatz). Mit dem Werbe-Slogan “Herta – Wenn’s um die Wurst geht” wuchs die Firma unter seiner Hand immer weiter. Doch hier soll es vor allem um die Erkenntnisse gehen, die dieser sehr erfolgreiche Geschäftsmann aus seinem Leben gewinnen konnte. Denn letztlich verkaufte er seine Firma “Herta” 1984 aus höheren Beweggründen (und da seine Söhne diese nicht weiterführen wollten) an die Firma Nestle. Ich schätze ihn sehr, für seine vernünftige Meinung und Einstellung zum Thema Tierhaltung und seiner kritischen Betrachtung eines Systems, das so nicht dauerhaft bestehen kann. Aber nun erst mal der Reihe nach!

Mit 25 Jahren hatte ihn sein Vater in die USA geschickt, damit er dort neue Erfahrungen und Ideen für die Firma Zuhause sammeln konnte. Dort blieb er etwa ein Jahr (arbeite dort auch am Fließband) und setzte dann Zuhause das gesehene und gelernte konsequent um. Besonders beeindruckt war er zu dieser Zeit von den riesigen Fließband-Schlachthöfen in Chicago. Die Firma Herta wuchs durch diese importierte “moderne industrielle Fertigung” immer weiter und hatte zu der Zeit schon bis zu 5000 Mitarbeiter.

Doch verschiedene Erlebnisse und besonders die Kritik der Kinder sowie z.B. der Besuch in den damals aufkommenden “modernen” Schweinemastbetrieben auf Spaltböden, brachten ihn dazu, sich tiefergehender Gedanken zu machen. Schweine die so nervös sind, dass sie beim kleinsten Schreck(Geräusch) Tod umfallen und nie im Leben Tageslicht sehen oder frische Luft bekommen, sah er in den Augen an, wie es ihnen geht und das veränderte sein Leben / seinen Lebensstil nachhaltig.

Schweisfurth Stiftung: Tiere wieder vereint (Planet-Wissen.de)
Schweisfurth Stiftung: Tiere wieder vereint (Planet-Wissen.de)

So hat er mit 54 Jahren nochmals sein Leben verändert, hin zur ökologischen und nachhaltigen Landwirtschaft. Sein Ziel ist die Erzeugung hochwertiger Lebensmittel und der respektvolle Umgang mit den Tieren. Dies ist mit der Massentierhaltung nicht möglich!!!

Bereits 1985 gründet er eine Stiftung zur Erforschung des ökologischen Landbaus. Und 1986 gründete er dann die “Herrmannsdorfer Landwerkstätten” südlich von München. Hier hat er dann seine neue Idee (sein neues Leben) “qualitativ hochwertiger Lebensmittel” in die Realität umgesetzt. Alles unter einem Dach: Bäckerei, Metzgerei, Käserei, Brauerei, eine eigene Schlachtung uvm. um die Erzeugnisse seines Bio-Bauernhofes (und die von 80 weiteren Bio-Höfen als Zulieferer) dort zu verarbeiten und direkt zu vermarkten. Und das alles nach alter Handwerkskunst (z.B. Warmfleischverarbeitung etc.).

Anfänglich machte er als Pionier im Bereich “Bio” viele Fehler, so dass der Betrieb “Herrmannsdorfer Landwerkstätten” erst ab 1996 profitabel wurde. Sein Sohn übernahm den Betrieb indem inzwischen etwa 200 Angestellte beschäftigt sind. Die Lebensmittel werden im eigenen Hofladen sowie einigen Geschäften in München angeboten.

Herr Karl Ludwig Schweisfurth experiementiert nun im Bereich “Symbiotische Landwirtschaft”, und möchte die Vorteile nutzen die sich durch ein zusammen-bringen verschiedener Tierarten ergeben können. Hier werden Schweine, Hühner, Schafe, Gänse und ein paar Rinder miteinander das ganze Jahr hindurch an der frischen Luft gehalten. Ein stetiger Wechsel der Koppel sorgt dafür, dass der Entwicklungzyklus der Parasiten unterbrochen wird.

Die “Symbiotische Landwirtschaft” ist auch für kleine Bauern auf schlechten Böden ggf. eine Nische bzw. eine Alternative zur Agrarindustrie (immer größer immer mehr…). Sie soll auch dem Erhalt kleinbäuerlicher Strukturen dienen.

Schweisfurth zeigt, das eine artgerechte und nachhaltige Lebensmittelherstellung auf biologischer Basis auch im großen Maßstab möglich ist! Das ist wirklich toll und hat jeden Respekt verdient, vor allem wenn man bedenkt zu welcher Zeit (1985) er dies begonnen hat. Eine Zeit zu der einen andere noch dafür auslachten. Besuchen Sie doch einfach mal die Herrmannsdorfer Landwerkstätten, z.B. das Wirtshaus, oder im Sommer den herrlichen Biergarten und machen Sie sich selbst ein Bild.

hier der Link zu dieser Sendung “ARD Mediathek”

 

ZITATE:

-”Ich erinnere mich noch an die Augen der Tiere, die sagten >>was macht ihr hier mit uns<< ,da hat’s klick gemacht” (beim Besuch in einem “modernem” Schweinemastbetrieb)

-„Mir war schlagartig klar, dass Fleisch von derart gequälten Tieren keine lebensfördernde Nahrung für uns Menschen sein kann.“

-”Die Qualität des Essens ist der Gradmesser für die Wertschätzung, die der Mensch sich selber schenkt.”

-”Es wird die Nähe hergestellt zwischen dem Ort, an dem die Tiere und Pflanzen wachsen und dem Ort, wo sie zu Lebens-Mitteln umgewandelt werden.”

-”Hinter diesem Verbund steht ein neues umfassendes Leitbild des achtsamen Umgangs mit allem Leben und Lebensnotwendigem, mit dem Boden, dem Wasser, der Luft, den Pflanzen, den Tieren und den Menschen.”

-”Ich weiß vor allen Dingen eines, das was wir jetzt uns eingerichtet haben, in der Zeitspanne meines Lebens, mit der intensiven Haltung von Tieren, mit den riesengroßen Schlachtfabriken, das hat keine Zukunft. Davon bin ich fest überzeugt! Das kann nicht gehen, weil es so sehr gegen die Grundregeln der Natur (alles ist mit allem verbunden, alles lebt miteinander und jedes kleinste Lebewesen hat seine Aufgabe. Monokulturen waren die Wirtschaftsform des vergangenen Jahrhunderts. Das ist vorbei! Wir müssen lernen das die Natur nicht in Monokulturen funktioniert, sondern in Polykulturen und in Symbiosen miteinander.”

-”Studenten zu kritischem, selbstständigem Reflektieren zu ermutigen” (Schweisfurth-Stiftung)

-”Bildung ist nicht das Befüllen von Fässern, sondern das Entzünden von Flammen“. (Heraklit)

 

BÜCHER:

Hier ein paar Interessante Bücher zu diesem Themenbereich. Ein Buch ist von Herrn Schweisfurth selbst, ein anderes zum Thema Permakultur von Sepp Holzer, der ein hohes Verständnis der Pflanzen besitzt. Rudolf Steiner begründete bereits 1920 die biologisch -dynamische Wirtschaftsweise (Demeter). Für weitere Informationen klicken Sie auf das jeweilige Buch.

Karl Ludwig Schweisfurth: Der Metzger, der kein Fleisch mehr isstSepp Holzers: PermakulturRudolf Steiner Gesunde Ernährung

 

LINKS:

Hier finden sie zahlreiche Bio-Lebensmittel

Hier eine Übersicht mit Bio & Fiartrade Lebensmitteln

Hier Bezugsquellen für Herrmansdorfer Lebensmittel

Mehr Wissen zum Thema: “Herrmannsdorfer Hauszeitung
…unter diesem Link finden Sie auch ein Archiv aller Ausgaben
…in dieser Ausgabe z.B. geht es um die Hofeigene Biogasanlage

Schweisfurth-Stiftung “Wege in eine lebenswerte Zukunft”
Sie ”fördert Wege zu einem ganzheitlichen und erfüllten Leben, in dem Arbeit und Technik wieder in besseren Einklang mit der Natur gebracht werden”. Jährlich gibt es den Schweisfurth-Forschungspreis für artgemäße Nutztierhaltung. Prämiert werden herausragende wissenschaftliche Arbeiten, die sich mit Alternativen zur industriellen Massentierhaltung beschäftigen. (News finden Sie hier)

Symbiotische Landwirtschaft (Link)
…z.B. Permakultur nach Sepp Holzer betrieben

Wikipedia zu Karl Ludwig Schweisfurth

 

Erstellt von Andi

Ich bin Andi, lebe im Süden Deutschlands (Bayern) und seit ich mein Elektrotechnik-Studium abgeschlossen habe, veröffentliche ich neben meiner hauptberuflichen Tätigkeit praktische Erfahrungen, die ich vor allem mit Technik so mache. Da es heute Technik im Überfluss gibt, ist es umso wichtiger, sich nur das zu kaufen was wirklich taugt und Wert hat. Deshalb möchte ich euch hier immer wieder die besten Produkte verschiedenster Bereiche vorstellen. Über euer Feedback, sowie Verbesserungsvorschläge und Wünsche würde ich mich wirklich sehr freuen.

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