Phänomenologie Beobachtung Erkenntnis

Phänomenologie Beobachtung Erkenntnis

Wir lernen so einiges in der Schule, doch Grundlegendes bzw. Wichtiges oft nicht. Ich kann hier nicht Hegel in einem kurzen Artikel vermitteln, dennoch möchte ich euch diese kurze Anregung geben: “Bitte lest Hegel“!!! Nachfolgende Ausschnitte stammen überwiegend aus einer – wie ich finde – sehr gelungenen Kurzfassung zu seiner Philosophie, welche ich bei YouTube gefunden habe.

Allgemeines über Hegel

Georg Wilhelm Friedrich Hegel war der erste Philosoph Deutschlands und Vertreter des deutschen Idealismus (siehe auch Kants Kritik der reinen Vernunft 1781 und Metaphysik). Geboren wurde er als Sohn eines Hofbeamten am 27.8.1770 in Stuttgart, gestorben ist er am 14.11.1831 in Berlin. Er wuchs in einem pietistischen Elternhaus auf (Rückbesinnung auf die zentralen Anliegen des Protestantismus). Studiert hat er in Tübingen, wo er 1790 in Philosophie promovierte und 1793 sein theologisches Examen abgelegt hat.

Sechs Jahre arbeitete er als Hauslehrer. Im Jahr 1799 starb sein Vater und hinterlies ihm ein kleines Vermögen. Dadurch konnte er sich der Philosophie widmen. Er heiratete 1811 Marie von Tucher (ihr Vater war unter anderem Bürgermeister von Nürnberg). Mit ihr hatte er zwei Söhne. Marie machte einmal in einem ihrer Briefe einen Unterschied zwischen “seiner Liebe zu ihr” und “ihrer Liebe zu ihm”. Da musste er zum Rotstift greifen und die Dinge richtigstellen: “Falsch meine Teure, es gibt in Wahrheit nur unsere Liebe, von der meine und deine Gefühle, jeweils nur Pole sind.

Friedrich-Hegel-mit-Studenten-Lithographie-F-Kugler
Friedrich-Hegel-mit-Studenten-Lithographie-F-Kugler (Wikipedia)

Nun seine Entwicklung

Im evangelischen Stift zu Tübingen wohnten gemeinsam drei außergewöhnliche Studenten auf einer Stube: Friedrich Wilhelm Joseph Schelling, Friedrich Hölderlin, und Georg Wilhelm Friedrich Hegel. Jeder auf seine Art – schon wenig später eine Koryphäe der europäischen Geistesgeschichte.

Ihre Themen waren die französische Revolution, aber vor allem die Philosophie Imanuel Kant's, von welcher sie eine geistige Revolution in Deutschland erwarten, auch bezogen auf Religion und Kirche. Gerade Hegel verstand sich damals vor allem noch als Theologe.

Ihm ging es darum, die christliche Religion im Sinne der Aufklärung in eine Freiheitslehre umzuwandeln! Und das starre Zwangssystem der Amtskirche zu überwinden.

Hegel formulierte eine gemeinsame Vision der drei Freunde: “Das Reich Gottes komme und unsere Hände seien nicht müßig im Schoße. Vernunft und Freiheit bleiben unsere Losung und unser Vereinigungspunkt die unsichtbare Kirche

Im tiefsten Inneren war es aber noch etwas anderes das Hegel Antrieb, etwas ganz Fundamentales. Er wollte das Evangelium verstehen, vor allem das große Mysterium der Dreifaltigkeit Gottes.

Dieses Rätsel hat ihn sein ganzes Leben lang beschäftigt. So kam er auch zur Philosophie. Die Philosophie ist die bewustvolle Religion! Hegel gilt als Vollender des Deutschen Idealismus!

Sein erstes großes Werk

Sein Buch “Die Phänemologie des Geistes”. Darunter verstand Hegel “die Wissenschaft vom erscheinenden Bewusstsein“. Sie enthält im Kern bereits Hegels gesamte Philosophie. Ausgangspunkt ist, dass die Natur bereits eine Struktur aufweist, die der Dreifaltigkeit ähnlich ist. So wie Gott – Vater, Sohn und Heiliger Geist ist, so ist eine Pflanze zunächst Same, dann Blüte und schließlich Frucht. Sie erscheint also in ganz verschiedenen, gegensätzlichen Gestalten, die aber alle Bestandteile derselben Pflanze sind. Sie sind Momente eines Prozesses – also der Weg vom Samen über die Blüte zur Frucht – dieser Prozess ist die eigentliche (oder die wahre) Pflanze.

Im Buch heißt es dazu: “Die Knospe verschwindet indem hervorbrechen der Blüte und man könnte sagen, dass jene von dieser widerlegt wird. Ebenso wird durch die Frucht die Blüte für ein falsches Dasein der Pflanze erklärt und als ihre Wahrheit tritt jene an die Stelle von dieser.

Diese Formen unterscheiden sich nicht nur, sondern verdrängen sich auch als unverträglich miteinander, aber in ihre flüssige Natur macht sie zugleich zu Momenten der organischen Einheit, worin sie sich nicht nur wiederstreiten sondern eins so notwendig als das andere ist. Und diese gleiche Notwendigkeit macht erst das Leben als Ganzes aus.

Diese Dynamik, in der das “Werden und Vergehen”, Momente eines Prozesses sind, der erst als Ganzes das Wahre ist, kennzeichnet nach Hegel unsere gesamte Wirklichkeit. Alles verändert sich und wird zu seinem Gegensatz, um schließlich wieder zu sich zurückzukehren. So wie die Frucht wieder Samen enthält der zum Ausgangspunkt des nächsten Prozesses wird.

Hegels Begriff des Aufhebens

Hegel verwendet dafür den Begriff des Aufhebens. Aufheben heißt z.B. beseitigen , etwa wenn Straßensperren aufgehoben werden, es heißt aber auch bewahren, z.B. beim Aufheben von Büchern. Und es heißt empor heben, etwa bei Babys wenn eine Mutter sie aufhebt.

Der Same wird durch die Blüte beseitigt. Er ist als Same nicht mehr erkennbar, dennoch ist er in der Blüte aufbewahrt und zwar empor gehoben in eine höhere Entwicklungsform. Das selbe aufheben vollzieht sich beim Entwicklungsschritt von der Blüte zur Frucht. Auch hier wird die Blüte beseitigt, aber auch aufbewahrt und empor gehoben.

Oder denken wir an den Menschen, der erst Kind, dann Erwachsener und schließlich Greis ist. Und in jedem Stadium das vorhergehende überwindet, aber auch in sich aufbewahrt. Und erst das Ganze, aus Kind, Erwachsenem und Greis – also erst der gesamte Lebensprozess ist der vollständige – der wahre Mensch.

Dieser Dreischritt oder Kreis wie Hegel es nennt, ist die Struktur der lebendigen Natur. Alles geht über in seinen Gegensatz und kehrt auf höherer Ebene wieder zu sich zurück. Um dann erst – nach dem Durchlaufen dieses Prozesses – und als dieser Prozess – ganz er selbst zu sein.

Hegels Denkform der Dialektik

Um diese Dynamik der Wirklichkeit zu erfassen, muss unser Denken beweglicher werden, als es in der Regel ist. Deshalb entwickelt Hegel eine neue Denkform, die er Dialektik nennt.

Wir kennen sie vom dialektischen Besinnungsaufsatz in der Schule her. Dort wird zunächst eine These aufgestellt, dann in der Antithese das Gegenteil erörtert, um schließlich in der Synthese beides im “Hegelschen Sinne” aufzuheben! Diese Dialektik ist das Denken, dass nach Hegel der wahren Wirklichkeit entspricht!

Diese neue Denkform ist durchaus revolutionär, denn dialektisches denken übergeht den Satz vom Widerspruch – das elementare Grundgesetz unsere Logik – es versteht Gegensätze oder Widersprüche nicht als Symptom falschen Denkens, sondern als Momente der Wahrheit.

Denn die Natur weist Gegensätze auf und braucht sie sogar für ihre Entwicklung. Mit dem Gedenken muss es sich dann genauso verhalten. Hegel hält denn auch fest: “Der Widerspruch ist ein Anzeichen des waren, nicht des falschen!”

Er macht das Denken unbequemer und schwerer, aber vielleicht tatsächlich wirklichkeitsnäher und wahrer. Immer muss alles mitgedacht werden, denn erst dass ganze ist das Wahre!

Wenn die Wirklichkeit und ihre Erkenntnis einander so entsprechen, dann kann es sich nicht um zwei völlig verschiedene Dinge handeln, wie man gemeinhin annimmt. Dort die Natur, und hier unser erkennen, sondern die Natur und all ihre Gegenstände müssen selber schon vernünftig strukturiert sein. Das heißt, Natur und denken sind im Grunde ein und dasselbe.

Die Erkenntnis wird nicht von außen an den Gegenstand herangetragen, sondern erwächst aus dem Gegenstand selbst.

Der Kern seines Denkens

Damit ist Hegel am Kern seines Denkens angelangt! Die Natur selbst ist vernünftig und das heißt, die Welt ist Geist! Was wir in unserem denken und erkennen tun, ist lediglich dieser Vernünftigkeit Ausdruck zu verleihen.

Nochmals Hegel in seiner Phänomenologie: “Es ist der Geist in seiner Freiheit – die höchste Spitze der selbstbewussten Vernunft – die sich Wirklichkeit gibt und als existierende Welt erzeugt. Die Wissenschaft ist nur das Geschäft, diese eigene Arbeit der Vernunft der Sache zum Bewusstsein zu bringen.

Hegel hat nun die Bausteine seiner Philosophie beisammen. Die Natur bewegt und entwickelt sich in Gegensätzen – und das war immer in drei Schritten. Um das angemessen erkennen zu können, muss auch das denken diese Bewegung mitvollziehen. Zunächst zu These und dann über die Antithese zur Synthese. Diese Entsprechung von Natur und denken zeigt, dass beide strukturell identisch sein müssen.

Das heißt, Natur und denken sind im Grunde dasselbe! Daraus folgt, dass die Natur Geist ist. Das Erkennen wird nicht von außen an den Gegenstand herangetragen, sondern erwächst aus ihm selbst. Die Natur erkennt sich also selbst. Unser Denken und unsere Wissenschaft sind nur noch Bewusstmachung dieser Erkenntnis.

Zurück zur Dreifaltigkeit Gottes

Wie ist die Dreifaltigkeit nun zu verstehen? Im Christentum ist Gott als Geist offenbart. Zuerst ist er Vater, Macht – abstrakt – allgemeines das noch eingehüllt ist. Zweitens ist er sich als Gegenstand ein anderes seiner selbst – ein sich entzweiendes – der Sohn. Dieses andere seiner selbst, ist aber ebenso unmittelbar er selbst. Er weiß sich darin und schaut sich darin an – und eben dieses sich wissen und sich anschauen – ist drittens der Geist selber. Das heißt, das Ganze ist der Geist. Weder das eine noch das andere für sich allein.

Die Wissenschaft der Logik

Das war Hegels zweites großes Werk, wodurch nun auch die akademische Welt auf ihn aufmerksam wurde. Im Jahr 1816 (mit 46) übernahm er einen Lehrstuhl in Heidelberg und 1818 ging er dann an die Universität Berlin. Erst mit 50 Jahren wurde er zu dem Hegel – zum Professor der Professoren – zum angesehensten Philosophen seiner Zeit!

Sein drittes großes Werk

Die Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften im Grundrisse. Bringt alles vorherige zu einem stimmigen und philosophischen Systemen und Weltbild zusammen. Die Grundannahme “Die Welt ist Geist” und zwar der absolute – der uneingeschränkte freie, sprich der allmächtige Geist. Dieser absolute Geist vollzieht eine dialektische Entwicklung (also von These über die Antithese zur Synthese). Da der Geist die Welt ist, ist seine dialektische Selbstentfaltung – die Geschichte der Welt von Anfang bis Heute. Oder anders: Die Geschichte der Welt ist nach Hegel: Die Geschichte der dialektischen Selbstentfaltung des absoluten Geistes. Dessen Ziel ist es, sich am Ende dieses Prozesses, als das zu erkennen, was er in Vollständigkeit und Wahrheit ist.

Hegel geht nun die gesamte Entstehung der Erde – die Entwicklung der Natur und die Geschichte der Menschheit durch vom Anfangen bis zur zeitgenössischen Gegenwart und versucht sie gemäss der dialektischen Denkformen zu strukturieren und zu erklären.

Die Geschichte vollzieht sich demnach in einem großen dialektischen Dreischritt, der seinerseits wiederum aus einer Vielzahl von kleinen Dreischritten besteht (These, Antithese und Synthese – die dann wiederrum These der nächsten Phase ist) besteht.

Auf der zweiten großen Stufe geht der reine Geist über in seinen antithetischen Gegensatz (Zwiespalt mit Gott oder der Welt). Er wird zur Materie. Biblisch ausgedrückt, das Wort wird Fleisch. Die Natur ist also das dialektische andere das absoluten Geistes!

Die List der Vernunft, ein Trost

Im Menschen als der Synthese von Natur und Geist, erkennt der absolute Geist sich als das, was er ist und gewesen ist, im Durchgang durch die bisherigen Entwicklungsstufen. Diese dritte Stufe, also die Geschichte der Menschheit interessiert Hegel am meisten.

Wie in allen bisherigen Schritten, so ist es auch hier der absolute Geist der wirkt und die Entwicklung anstößt, also nicht einzelne große Menschen treiben den Gang der Geschichte voran, sondern der Weltgeist selbst tut dies – indem er sich dieser gestalten bedient.!!!! Diese Persönlichkeiten, meistens Könige, Feldherren oder Politiker – meinen zwar sie folgten eigenen Interessen und das Publikum meint dies auch – aber in Wahrheit handeln sie im Interesse und Auftrag des Weltgeistes. Sie sind – wie Hegel sagt – bloß dessen Geschäftsführer.

Der absolute Geist bedient sich der Triebe und Leidenschaften dieser Menschen um seine Ziele zu verfolgen! Hegel nennt dies die List der Vernunft!

Aus diesen Zusammenhängen zieht Hegel eine Schlussfolgerung, die oft zitiert und fast ebenso häufig kritisiert wird. Nämlich “Das Wirkliche ist das Vernünftige!”. Das heißt, alles in der Wirklichkeit ist vernünftig und muss vernünftig sein, denn in allem drückt sich der absolute Geist aus, also die Vernunft selbst.

Wenn man die Vernünftigkeit dialektisch begreift – also in Unterscheidung zwischen dem Ganzen und seinen Momenten – dann wird der letzte Satz verständlicher. Es wäre sonst befremdlich z.B. sich zu fragen, “wie kommt es durch den Geist , bzw. durch die Menschen, welchen er sich bedient, zu Kriegen etc”. War und damit absolut vernünftig ist nur das Ganze. Hier der vollständige Weg des absoluten Geistes durch die Geschichte zu sich selbst.

Die Momente dieses Weges, sprich – alle einzelnen Dinge, Sachverhalte, Geschehnisse in der Welt, – sind nur im Hinblick auf dieses Ganze wahr und vernünftig. Also in ihrem Beitrag zu dessen Entwicklung. Für sich selbst aber – isoliert betrachtet – können sie durchaus unwahr und unvernünftig sein – oder zumindest uns als unwahr und unvernünftig erscheinen – weil wir das Ganze nicht oder noch nicht überblicken!!!!!!!

Alles ist vernünftig – jedenfalls im Hinblick auf das Ganze – auch wenn wir dies Anfangs noch nicht überblicken oder verstehen können! Für sich alleine – isoliert betrachtet – kann vieles dessen aber durchaus auch sehr schlimm sein.

Dabei denke ich auch an Einsteins “Gott würfelt nicht!

Die menschliche Kultur

Den letzten Schritt auf seinem Weg zur Selbstentfaltung vollzieht der absolute Geist in der menschlichen Kultur. Über Kunst, Religion und Philosophie. Die Philosophie ist die höchste Stufe, denn in ihr findet sich der absolute Geist in seinem ureigenen Medium – dem Denken! Hier kommt er ganz zu sich und erkennt sich als der Prozess den er zurückgelegt hat – zunächst als Logik, dann als Natur, dann als Geschichte der Menschheit und dort schließlich als Philosophie. Dies alles zusammen ist der absolute – oder Weltgeist – nach und in seiner vollen Entfaltung.

Mit seinem Tod endete die Epoche des deutschen Idealismus.

Wer sich nun fragt, was dies alles mit dem Weltgeschehen (und Nachrichten) zu tun hat, sollte nochmals nachlesen und vor allem nachdenken. 😉

Weiterführende Links:

Hier das erwähnte YouTube Video

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Erstellt von Alex

Hallo bin Alex! Ich habe Medizin studiert, bin aber auch politisch und technisch interessiert und so kam ich auf diesen Blog. Ich bin eigentlich niemand, der andere überzeugen will, da ich aber beobachte, dass sich die Gesellschaft immer mehr spaltet und nicht einmal mehr die Wahrheit gesagt werden darf, selbst wenn diese mit Fakten untermauert ist. Viele leiden ganz offenbar unter einer Art Realitätsverweigerung. Wir sind also an einem Punkt angelangt, wo jeder aktiv werden sollte. Weitere Infos über mich findet ihr hier . *Hinweis: Die Meinung unseres Gastautors spiegelt nicht notwendigerweise unsere Meinung wieder. Wenn sie sich dadurch in irgendeiner Weise angegriffen oder verletzt fühlen, teilen sie uns das umgehend mit, damit wir den Inhalt überprüfen und ggf. ändern können.

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